Schnell sein mit der Qualität – Messtechnik, KI und das Null-Fehler-Dogma
Shownotes
- Editorial: Schnell sein mit der Qualität – Gespräch mit Dr. Alexander Huber (Polytec) über Chinese Speed. Das vollständige, 24-minütige Interview mit Dr. Alexander Huber als Videopodcast.
- Quality News – DAkkS flexibilisiert die Geltungsbereiche · Banyan Software übernimmt tec4U-Solutions · IMDS-Anwendertreffen am 24. September in Wiesbaden (auch hybrid)
- Quality Forum – FMEA-Harmonisierung: rückwirkend Pflicht oder nicht? Antwort von Nenad Bartolic
- Quality Leadership – Data Repatriation: Warum Industrieunternehmen QMS-Daten aus der US-Cloud zurückholen – und warum das kein reines IT-Projekt ist
- Quality Manufacturing – Ejot in Berghausen: Messtechnik wandert nach vorne, parallel zur Werkzeugentwicklung, mit Wenzel-KMG und vierter Achse
- Quality Minds – Dr. Ulrich Harmes-Liedtke (Mesopartner) über das Ende des Null-Fehler-Dogmas im Zeitalter generativer KI
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Gesprächspartner
Dr. Alexander Huber, CEO, Polytec GmbH, Waldbronn
Host
Wolfgang Kräußlich, Chefredakteur QZ – Qualität und Zuverlässigkeit
Ausführliche Infos zu allen Meldungen dieser Folge: https://www.qz-online.de
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Transkript anzeigen
00:00:01:
00:00:08: Es gibt Wörter, die klingen nach Fortschritt und meinen Wahrheit Druck.
00:00:13: Technologie ist so ein Wort geworden.
00:00:16: Technologie ist keine Abteilung mehr kein Ressort, kein Messestand.
00:00:20: sie ist Weltlage.
00:00:22: Sie entscheidet wer liefert und wer wartet Wer den Standard setzt und wer ihn erfüllt.
00:00:27: das gilt auch im Bereich der Qualität.
00:00:30: Einer, der das täglich erlebt ist Dr.
00:00:31: Alexander Huber.
00:00:33: Er ist seit April, der neue CEO des Laserspezialisten Polytech in Waldbronn.
00:00:39: Berührungslosem Esstechnik, optische Systeme – ein Unternehmen das dort misst wo andere noch schätzen!
00:00:45: Ich habe mit ihm gesprochen und er beginnt mit einer Beobachtung die weit über seine Branche hinaus reicht….
00:00:51: Ich glaube, wir haben noch nie in einer so technologieorientierten Welt gelebt wie heute.
00:00:57: Das Spüren war als Privatperson.
00:00:59: auch das fließt in die Politik mit rein beeinflusst vielleicht auch globale Tätigkeiten und Ereignisse heutzutage.
00:01:08: Wer Technologie sagt meint heute fast immer auch Geschwindigkeit.
00:01:12: Und damit sind wir bei einem Begriff der in deutschen Chef-Itagen für Unruhe sorgt Chinese Speed.
00:01:19: Zwei Wörter Ein Vorwurf, eine Verheißung je nachdem auf welcher Seite des Globus man sie ausspricht.
00:01:26: Die deutsche Versuchung liegt nahe sich am Klischee des schlampigen Sprinters aufzurichten – die probieren nur wir konstruieren!
00:01:34: Die schießen so ungenau wie zielen.
00:01:38: Es ist eine bequeme Erzählung und sie wird jeden Tag ein Stück falscher Denn der chinesische Sprinter hat gelernt zu zielen in der E-Mobilität In der Batterietechnik zunehmend in der Optik.
00:01:50: Der Qualitätsvorsprung ist kein Naturgesetz.
00:01:53: Er ist ein Vorsprung und Vorsprünge können schmelzen.
00:01:56: Huber kennt diese Debatte, er hat sich wie er sagt in den vergangenen Jahren intensiv damit auseinandergesetzt.
00:02:02: Seine Antwort ist präziser als der Reflex
00:02:05: Geschwindigkeit.
00:02:08: in der aktuellen Zeit ist es schlicht und einfach erforderlich.
00:02:11: Aber bezüglich Chinese Speed wäre ich vorsichtig, wir probieren nicht und schauen mal ob es funktioniert sondern was wir tun.
00:02:20: das hat Substanz.
00:02:21: insbesondere wenn man an kritische Applikation denkt darf man nicht mit Kunden probieren und das ist etwas was wir nicht tun werden sondern wir werben.
00:02:30: schnell sein mit der Qualität
00:02:33: Nicht mit Kunden Probieren Das ist keine Arroganz, das ist die Physik der Haftung.
00:02:38: Wermäßtechnik für kritische Applikationen baut Medizintechnik Halbleiter Sicherheitsbauteile Für den ist ein Feldversuch beim Kunden.
00:02:46: kein argiles Experiment sondern einen Rückruf mit Ansage.
00:02:51: Aber und diese Frage muss ein Qualitätspodcast stellen dürfen Reich Substanz als Geschäftsmodell?
00:02:57: Substanz die zu spät kommt ist am Markt dasselbe wie Keine.
00:03:01: Hubers Formel heißt deshalb nicht Qualität statt Tempo.
00:03:04: Sie heißt, schnell sein mit der Qualität.
00:03:07: Das ist der Anspruch und er ist unbequemer als er klingt.
00:03:12: Denn wie wird man schnell mit der Kualität?
00:03:14: Die neue ISO-Kultur setzt auf Qualitätskultur.
00:03:18: Aber die Antwort liegt nicht nur in der Kultur – sie liegt in der Technik!
00:03:22: Und dort passiert gerade etwas was man eine stille Revolution nennen darf.
00:03:27: Jahrzehntelang galt in der Qualitätzicherung ein Kompromiss, die Stichprobe.
00:03:31: Wir prüfen nicht alles wir prüffen genug Genug für die Statistik, genug fürs Audit, genug für das Gewissen.
00:03:38: Die Stichprobe war nie eine Überzeugung – sie war eine Kostenrechnung.
00:03:43: Diese Rechnung ändert sich!
00:03:45: Berührungslose Messtechnik, optische Systeme, Inlinesensorik.
00:03:49: Sie holen die Prüfungen aus dem Messraum und stellen sie mitten in die Linie.
00:03:54: Aus der Kontrolle nach dem Prozess wird ein Teil des Prozesses.
00:03:58: Und plötzlich ist die Hundertprozent-Prüfung keine Utopie mehr sondern eine Investitionsentscheidung.
00:04:04: Die Messtechnik muss auch wirtschaftlich attraktiv sein, Stichwort hundert Prozentkontrolle.
00:04:09: wird dies benötigt.
00:04:10: Grundsätzlich ja die Anforderungen nehmen weiter zu, geht ja auch um Nachweise zu liefern vielleicht auch um die Haftung zu reduzieren oder auch regulatorische Anforderung zu erfüllen.
00:04:21: insofern die Hundert Prozent Kontrolle die wird wichtiger werden.
00:04:25: aber die Messtechnik muss integrierter Bestandteil sein.
00:04:29: Integrierte Bestandteil das ist der entscheidende Halbsatz Denn wenn jedes Teil geprüft ist, ändert sich mehr als die Fehlerquote.
00:04:37: Dann ist Qualität kein Versprechen mehr – sie ist ein Datensatz!
00:04:41: Nachweisbar, rückverfolgbar, gerichtsfest... Das verändert die Haftung, das verändert die Regulatorik und es verändert das Verkaufsgespräch.
00:04:49: Wer lückenlos prüft, verkauft nicht nur ein Produkt, er verkauft Gewissheit.
00:04:54: Bleibt die Ausgangsfrage?
00:04:56: Wer gewinnt Speed oder Substanz?
00:04:59: Ich glaube inzwischen es ist die falsche Frage Denn am Ende entscheidet weder das Datenblatt noch die Stoppuhr.
00:05:05: Es entscheidet der Kunde und zwar nicht danach, was ein Produkt kann sondern dann nach, was es ihn können lässt.
00:05:12: Huber denkt diesen Gedanken so zu Ende.
00:05:14: In Zukunft wird es, glaube ich noch viel wichtiger werden.
00:05:17: Dass wir nicht alleine über die Spezifikationen von Produkten reden sondern Innovation entstehen ja dann wenn die Welt einen Nutzen davon hat und das wird eine Perspektive sein die man noch viel stärker durchdringen werden.
00:05:31: wie können wir unsere Kunden erfolgreicher machen in dem was sie tun?
00:05:36: Wie machen wir unsere Kunden erfolgreicher?
00:05:38: Das ist am Ende die einzige Qualitätsfrage die sich nicht kopieren lässt.
00:05:42: Spezifikationen kann jeder abschreiben.
00:05:44: Tempo kann man kaufen, aber das Verständnis dafür was der Kunde wirklich braucht muss man sich erarbeiten.
00:05:51: Messung für Messung Das ganze Gespräch mit Dr.
00:05:54: Alexander Huber über Messtechnik merkte die Frage wie ein Mittelständler aus Waldbronn global vorne bleibt und seine Vision als neue CEO?
00:06:02: Das hören uns sehen sie auf QZonline.de.
00:06:12: Die deutsche Akkreditierungsstelle DAX macht ernst mit der Flexibilisierung.
00:06:17: Ab sofort können akkreditierte Stellen flexible Geldungsbereiche für alle Akkreditierungsnormen beantragen, vorausgesetzt die Eignung stimmt – das Ziel wenige Papierkram und eine schnellere Anpassung an technologische Entwicklungen.
00:06:33: Bewegungen auf dem Softwaremarkt.
00:06:35: Das internationale Unternehmen Banyan Software übernimmt den Saarbrücker Spezialisten Tech For You Solutions.
00:06:41: Damit wechselt ein bekannter Anbieter für Compliance Software und Services im Bereich Material Compliance, den Besitzer.
00:06:47: Für Kunden soll sich am langfristigen Fokus nichts ändern!
00:06:51: Und einen Termin hinweist für die Automotive-Branche?
00:06:54: Am vierundzwanzigsten September findet es diesjährige EMDS Anwendetreffen statt.
00:06:59: Wer mit dem internationalen Materialdatensystem arbeitet bekommt in Wiesbaden oder wahlweise online via Hybridzuschaltung, praxisnahe Fachvorträge und ein völlig neues Workshop-Format geboten.
00:07:10: Weitere Infos in den Shownotes.
00:07:19: Heute widmen wir uns eine Frage zu FMEA die viele QM verantwortliche umtreibt.
00:07:24: Es geht um das Dauertthema Harmonisierung.
00:07:27: Die konkrete Frage aus der Praxis lautet Müssen wir die harmonisierte FMIA rückwirkend auf alle bestehenden Artikel anwenden oder dürfen wir alte FMias einfach behalten und die neuen Regeln nur für neue Projekte nutzen?
00:07:40: Unser Experte Nina Bartolic gibt Entwarnung.
00:07:43: Nein, eine rückwirkende Harmonisierung ist rechtlich nicht zwingend erforderlich – es sei denn ihr Kunde fordert es explizit!
00:07:50: Die FMIA ist Ihr Dokument.
00:07:52: Sie entscheiden wie sie es am wirtschaftlichsten verwalten.
00:07:55: Ein pragmatischer Tipp des Experten, wenn Sie ein Fehler an einem alten Produkt nach bearbeiten ziehen sie nur diesen spezifischen Fehler für eine separate FMIA-Nach nach den neuen Regeln.
00:08:13: Hier geht es um digitale Souveränität Data Repatriation also der strategische Rückzug von Daten aus der Cloud.
00:08:21: Immer mehr europäische Industrieunternehmen holen sensible DMS und QMS-Daten von US Hyperscaler zurück.
00:08:28: Warum?
00:08:29: Weil der US Cloud Act und strengere EU-Regularien handfeste Compliance Risiken bergen, gerade im Maschinenbau liegen in Qualitätsmanagementsystemen hochkritische Assets – von Konstruktionszeichnungen bis zu lückenlosen Auditrails!
00:08:42: Wer hier die Kontrolle behalten will darf Data Repatriation aber nicht als reines IT-Projekt missverstehen.
00:08:48: Erfolgerliche Führungskräfte wissen Vor der technischen Migration müssen Daten glasklar klassifiziert, kritische Assets priorisiert und die Governance neu definiert werden.
00:08:59: Europäische Cloud-Alternativen bieten hier eine rechtlich sichere Basis um die eigene Handlungsfähigkeit langfristig zu sichern.
00:09:14: In der Fertigungsmesstechnik gilt oft je früher desto besser.
00:09:18: Wie es in der Praxis aussieht, zeigt der Automobilzulieferer EOD am Standort Berghausen.
00:09:23: Bei der Fertigung komplexer Kunststoff-Hybridbauteile sind die Toleranzen extrem eng.
00:09:28: EOD verlagert die Messstrategie deshalb komplett nach vorne.
00:09:31: Messprogramme entstehen ab sofort parallel zur Werkzeugentwicklung – erste drei D-Druckteile werden sofort mit dem Kunden abgeglichen.
00:09:38: Zum Einsatz kommen moderne Wenzelkoordinatenmessgeräte mit integrierter vierter Achse um auch schwierige Zahnradgeometrien präzise zu prüfen.
00:09:46: Der Clou dabei?
00:09:47: Maschinen, Software und Prozesse sind global standardisiert.
00:09:50: So lassen sich Messprogramme und Know-how nahtlos zwischen den weltweiten Standorten austauschen.
00:09:54: Messtechnik wird so vom reinen Kontrollwerkzeug zum integralen Treiber der Wertschöpfung.
00:10:06: Zum Schluss noch ein radikaler Blick auf unsere Fehlerkultur.
00:10:10: Dr.
00:10:10: Ulrich Hames Liedke Gründer von Mesopartner & Initiator des Global Quality Infrastructure Index fordert nicht weniger als das Abschied nehmen vom Dogma der absoluten Fehlerfreiheit.
00:10:22: Seine These, wer im Zeitalter von künstlicher Intelligenz stur an den Null-Fehler-Toleranz festhält, stellt die falsche Anforderungen an die falschen Technologie.
00:10:31: Generative KI arbeitet stochastisch – also mit Wahrscheinlichkeiten und nicht Gewissheiten!
00:10:36: Das CoM in Zukunft muss laut Hamas Liedke lernen zwischen zwei Fehlerlogiken zu unterscheiden.
00:10:42: In sicherheitskritischen Bereichen bleibt die Nullfehlerpflicht unverhandelbar.
00:10:46: Doch in dynamischen Systemen oder beim KI-Einsatz ist ein kontrolliertes Gut genug auf der wirtschaftlichere Weg.
00:10:52: Prüflabore machen es seit Jahren vor, sie zertifizieren nicht die Abwesenheit von Fehlern sondern sich quantifizierend die Messunsicherheit.
00:11:00: Das Fazit – QM verliert nicht an Autorität wenn es Unsicherheiten offen zu gibt.
00:11:05: Im Gegenteil wer heute noch eine hundertprozentige Fehlerfreiheit verspricht, die es technologisch gar nicht geben kann, verliert dauerhaft Anglaubwürdigkeit.
00:11:13: Ausführliche Infos zu allen heutigen Themen finden Sie auf QZOnline.de Und wenn sie unseren Podcast mögen, dann empfehlen sie uns weiter!
00:11:21: Oder sagen sie uns ihre Meinung?
00:11:23: Nehmen Sie an eine Umfrage teil.
00:11:24: es gibt ein Buch zu gewinnen.
00:11:26: den Link dazu finden Sie in den Show Notes.
00:11:28: Ich wünsche Ihnen viel Quality Time Ihr Wolfgang Kreußlich.
00:11:33: Das war Faktor Q Ein kompakter Wochenrückblick für die Qualitätswelt direkt aus der Redaktion des Fachmediums QZ.
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